Aber die Geschichte Zum Tod von Wolfgang Jeschke aktualisiert am 16 06

Aber die Geschichte Zum Tod von Wolfgang Jeschke aktualisiert am 16 06


Ich stand gerade mit Andy Hahnemann im Konferenzzimmer des frisch eingerichteten Fischer Tor Verlags und bewunderte das locker angedachte, auf einem Tisch in Form von Originalausgaben und Platzhalter-Zetteln arrangierte Herbstprogramm 2016, als Hannes Riffel von einem Telefonat zur�ckkehrte und f�r einen Moment ganz still war.

Dann sagte er uns, dass Wolfgang Jeschke verstorben war.

Mir schossen sofort einige, f�r mich bedeutsame, Erinnerungen durch den Kopf.

Erstens eine ansatzweise Begegnung mit Jeschke; n�her bin ich diesem gro�en F�rderer der Science Fiction nie gekommen.

Es muss Anfang der 1980er Jahre gewesen, wahrscheinlich auf einem FreuCon. Jeschke und einige andere bekannte K�pfe der deutschen SF-Szene f�hrten eine Podiumsdiskussion zum Thema SF-Magazine. Fr�nkie sa� als vielleicht Zwanzigj�hriger in der ersten Reihe und diskutierte mit. (Ich hatte eine sehr entschiedene, nat�rlich negative Meinung zu denjenigen SF-Magazinen, die sich ans Filmgenre anbiederten - habe ich noch heute.)

Irgendwann neigte Wolfgang Jeschke sich zu seinem Sitznachbarn und fragte neugierig: "Wer ist das eigentlich?"

Sein Nachbar wusste es nicht. Nat�rlich nicht.

Ich war damals zwar mutig genug, mich in eine Podiumsdiskussion einzuschalten, aber zu sch�chtern, um mich nach der Veranstaltung einfach selber vorzustellen.

Dabei h�tte ich das ruhig tun k�nnen.

Denn ich glaube, mein Name w�re Wolfgang Jeschke ein Begriff gewesen.

Er bekam n�mlich regelm��ig Storys von mir zugesandt, die er ebenso regelm��ig ablehnte - gelegentlich auch mit pers�nlichem Anschreiben.

Zwei davon haben sich f�r immer meinem Ged�chtnis eingepr�gt.

In der ersten Ablehnung - ich hatte Heyne eine Antikriegsgeschichte angeboten - stand ein Satz, den ich bis heute auswendig kann:

"Ihr Anliegen in allen Ehren, aber die Geschichte m��te erst noch erz�hlt werden."

Peng! Diesen Satz habe ich mir f�r immer hinter die Autorenohren geschrieben - praktisch als virtuelles Tattoo.

Dann gab es, etliche Ablehnungen sp�ter, einen Brief aus der SF-Redaktion, von einer Frau, glaube ich. Der ging ungef�hr so:

Sch�nen Gru� von Wolfgang Jeschke, auch die eingereichte Geschichte reiche noch nicht ganz f�r eine Ver�ffentlichung bei Heyne, aber er wolle mir einmal mitteilen, wie sehr ich mich gesteigert h�tte ...

Dieser Mann, der voller Neugierde auf die Welt und die Literatur war und mit allen gro�en Namen nicht nur der SF-Szene Umgang hatte, setzte sich tats�chlich immer wieder einmal hin und gab irgendeinem hoffnungsfrohen Amateur einen guten Rat und gelegentlich ein ermunterndes Wort mit auf den Weg, ohne jede Arroganz, aber mit glasklarer, oft auch glasharter Ansage.

Und darum ist Wolfgang Jeschke selig, der zu allem �berfluss verdammt gut schreiben konnte, auch f�r mich pers�nlich genau das, was in all den Nachrufen immer wieder hervorgehoben wird: ein gro�er F�rderer der deutschen SF.

  • Mehr und Objektiveres zu Jeschkes Bedeutung schreibt Dietmar Dath in der FAZ, wobei auch Dath nicht um eine pers�nliche Anekdote herumkommt; so war das wohl einfach mit Jeschke.
  • [Nachtrag 16.06.] Frank W. Haubold wei� eine �hnliche Geschichte der Nachwuchsf�rderung wie ich zu erz�hlen, dr�ben im Forum von sf-fan.de.


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English summary for foreign readers: German sf editor Wolfgang Jeschke is dead. He never bought one of my stories, but he always had good advice. And he was a damn good writer, too!

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